Loslassen

Geschrieben am 27.02.2021
von Gemeindereferent Anton Huber


von Gemeindereferent Anton Huber.

Die Verklärung Jesu

Sechs Tage danach nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihnen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann.

Da erschien ihnen Elija und mit ihm Mose und sie redeten mit Jesus.

Petrus sagte zu Jesus:
Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.

Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen.

Da kam eine Wolke und überschattete sie und es erscholl eine Stimme aus der Wolke:
Dieser ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.

Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemanden mehr bei sich außer Jesus. Während sie den Berg hinabstiegen, gebot er ihnen, niemandem zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei.

Dieses Wort beschäftigte sie und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen.

Markus 9,2-10

Das ist wieder einmal typisch Petrus: Versteht nicht, was um ihn herum passiert und reagiert so menschlich in seiner zupackenden Art.

Wäre Jesus in Begleitung eines Theologen auf den Berg gegangen, hätte dieser die Erscheinungen sofort deuten können: Die beiden großen Propheten Mose und Elija stehen für den alten Bund mit Jahwe, der sein auserwähltes Volk durch schwierige Zeiten geführt hat. Gott selbst hat durch die Propheten in die Geschichte Israels eingegriffen und sie zu einer Heilsgeschichte gemacht.

Und dann die Verwandlung Jesu, wo es heißt:

Seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann.

Markus 9,3

Der Theologe weiß, dass damit die endgültige Herrlichkeit des Messias für einige Augenblicke ihren Glanz voraus wirft und die Gegenwart in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt.

Jetzt ist aber Petrus nur ein einfacher Fischer ohne Theologiestudium, der, wie auch die beiden anderen Apostel, nur staunend dasteht, ganz benommen vor Furcht, so heißt es. Alle spüren, dass sie etwas Außergewöhnliches erleben und versuchen, diesen Moment festzuhalten. Aber wie kann ich einen Moment festhalten, wie soll das denn gehen? Heutzutage würde jeder sein Handy zücken und Bilder machen, die sofort im Internet geteilt würden.

Jetzt gibt es aber zur Zeit Jesu weder iPhone noch Fotoapparate. So reagiert Petrus in seiner pragmatischen Art, macht das, worauf er sich versteht und will sogleich drei Hütten bauen, damit Mose, Elija und Jesus einziehen können und ihnen nahe bleiben.

Und doch kann Petrus den Moment nicht festhalten, die beiden Propheten sind so schnell verschwunden, wie sie aufgetaucht waren. Jesus verbietet ihm, Jakobus und Johannes sogar noch, anderen von dem Erlebten zu erzählen. Auch Jesus wird nicht mehr lange bei ihnen bleiben, das zeichnet sich auf ihrem Weg nach Jerusalem immer mehr ab. Auch ihn müssen sie irgendwann loslassen. Was den Jüngern bleibt, was auch uns bleibt ist das Vertrauen auf Gott, dass Er mit ihnen geht und alles sich schließlich zum Guten wendet. Im Vertrauen auf Jesus hat Petrus seine Familie verlassen, wie auch Abraham sein Elternhaus und seine angestammte Heimat im Vertrauen auf Gott verlassen hat. Für sein Vertrauen auf Gott ist Abraham reichlich belohnt worden. Seine Viehherden wurden größer, sein Reichtum wie auch sein Ansehen bei den neuen Nachbarn ist gewachsen. Schließlich hat ihm seine Frau im hohen Alter noch einen Sohn geboren, der den Fortbestand seiner Sippe garantieren sollte. Und jetzt verlangt Gott von Abraham, dass er seine Zukunft in der Person seines Sohnes Isaak opfert? Abraham zerreißt es schier das Herz, aber er zeigt, dass sein Gottvertrauen über Allem steht. Und Gott erweist sich als der menschenfreundliche Gott, der Gott des Lebens, der kein Menschenopfer verlangt. Für uns heute selbstverständlich, für die damalige Zeit revolutionär.

Aber was kann uns die Geschichte heute sagen?

Sie stellt mir die Frage: was bin ich bereit aufzugeben für meinen Glauben? Wie schwer fällt es mir, lieb Gewordenes loszulassen?

Gerade die Fastenzeit soll uns ein Anlass sein, über diese Fragen nachzudenken. Immer wenn ich etwas loslasse, entsteht auch Raum für etwas Neues. In dieser Spannung stehen auch die Jünger aus dem Evangelium: sie schauen zurück auf die Vergangenheit, auf die großen Propheten ihres Volkes und sehen gleichzeitig Jesus im Licht der kommenden Herrlichkeit Gottes. Ihr Einlassen auf den Weg, den Jesus gehen wird, verlangt ihnen alles ab und kostet sie letztendlich sogar das eigene Leben.

Seit einem Jahr erleben wir durch die Pandemie eine erweiterte Fastenzeit. Vieles haben wir zurückstellen müssen, auf vieles verzichten, was uns unverzichtbar erschienen ist. Dabei haben wir erkannt, dass auch vieles unnötiger Ballast war, den wir gezwungenermaßen loslassen mussten. So konnten wir uns auf das besinnen, worauf es im Leben wirklich ankommt: auf den Zusammenhalt in unseren Familien, auf Verlässlichkeit in unseren Beziehungen und auch auf die Zusage Gottes, dass er bei uns ist und uns in all unseren Nöten beisteht.